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Kistler-Genossame Reichenburg


Unter dem Namen Kistler-Genossame besteht eine Genossenschaft des kantonalen öffentlichen Rechts mit Sitz in Reichenburg. Die Körperschaft war von Anfang an (wie weitgehend noch heute) eine Alpgenossenschaft. Sie vereinigte diejenigen Reichenburger Familien, welche die Alpen urbar gemacht hatten und nutzten. Früher, laut einer Urkunde betreffend der Freiheit und Gerechtigkeit der Alpgenossen aus dem Jahre 1469, gehörten zehn Geschlechter dazu, unter anderem Kistler, Eberle, Leiss, Klein, Dum, Schieri, Küng und Ruoss. Alle diese Familien sind teils ausgestorben oder teils ausgewandert. So sind nur noch die Kistler, eines der zahlreichsten Geschlechter in Reichenburg, nutzungsberechtigt. 1847 wird die Hirschlenliegenschaft, die früher dem Kloster Einsiedeln gehörte, von der Kistler-Genossame käuflich erworben und landwirtschaftlich genutzt. Zur Selbstversorgung wurden Pflanzteile abgegeben, vor allem während der beiden Weltkriege diente die Hirschlen als Pflanzland. Auf den Kistleralpen wurde im Jahre 1966 der Regiebetrieb aufgehoben, die Alpen mit den rund zwanzig Gebäuden verpachtet. Seit dem gleichen Jahr werden ab den «Hirschlenländern» keine Pflanzteile mehr abgegeben. Dagegen wurde in der unteren Hirschlen ein Vertrag zu einer Kiesausbeutung abgeschlossen. 1970 erfolgte die Bewilligung für eine Tiefbaggerung. Die Kiesausbeutung ist längst abgeschlossen, entstanden ist ein wichtiges Grundwasserreservoir, der Hirschlensee. Das ganze Areal liegt in der Grundwasserschutzzone, unterliegt einer Hausordnung und ist für alle Benutzer ein höchst schützenswerter Erholungsraum. Eigenverantwortung ist gefragt! Das Gebiet der oberen Hirschlen ist ebenfalls Grundwasserschutzzone. Auf diesem Areal nahm die Allgemeine Genossame Reichenburg (AGR) im Jahre 1980 das Grundwasserpumpwerk «obere Hirschlen» in Betrieb. 1970 gründeten die Kistler-Genossame, die AGR, die Gemeinde Bilten und einige Private zwecks Erstellung einer Strasse zu den verschiedenen Alpen und Bergheimwesen die Flurgenossenschaft «Ussberg-Niedern».

Mittel

Das Genossenschaftsvermögen besteht zur Hauptsache aus den Kistler-Alpen, den Liegenschaften obere und untere Hirschlen, kleinen Waldungen und verschiedenen Strassen, Bankguthaben, Wertschriften und dem Holznutzungsanspruch in den Wäldern der AGR, dies zur Erstellung und zum Unterhalt von Alpgebäuden, zu Hagungen und zur Brennholzbeschaffung für die Älpler.

Organe

Das oberste Organ der Körperschaft ist die Genossengemeinde, die im ordentlichen Turnus alljährlich Anfang Januar stattfindet. Die Organe der Verwaltung sind der Genossenvogt, der Genossenschreiber, der Kassier, der Werkmeister und der Genossenweibel. Jahresrechnung und Budget unterstehen einer Rechnungsprüfungskommission.

Mitgliedschaft

Mitglieder der Kistler-Genossame sind weibliche und männliche Nachkommen der Kistler, sofern sie Bürger der Gemeinde Reichenburg sind, am 1. Januar des laufenden Jahres das 24. Altersjahr zurückgelegt und in Reichenburg gesetzlichen Wohnsitz haben. Jedes Mitglied hat Anspruch auf einen jährlich von der Genossengemeinde festgesetzten Genossennutzen. Per 1. Januar 2000 zählte die Kistler-Genossame 190 Mitglieder.

Weitere Informationen finden Sie auf: www.kistler-genossame.ch

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